zum Inhalt springen
Foto: Zwei Frauen sitzen nebeneinander. Sie betrachten beide Informationen in einem Buch, welches aufgeschlagen vor ihnen auf einem Tisch liegt.
© GIZ / Marian Brehmer

Afghanistan: Menschenrechte buchstabieren

Alphabetisierungskurse für Polizist*innen tragen dazu bei, das Land am Hindukusch langfristig zu stabilisieren.

Grafik: GIZ: SDG 4 Hochwertige Bildung
Grafik: GIZ: SDG 5 Geschlechtergleichheit
Grafik: GIZ: SDG 16 Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen

Karima Hosseini schaut ihr Gegenüber mit festem Blick an und erzählt, wie froh sie ist, ihre Berufung gefunden zu haben. Als Polizistin in Zentralafghanistan sorgt sie für Sicherheit in ihrer Stadt. Die 35-Jährige ist heute eine selbstbewusste Frau auf dem Sprung in den mittleren Polizeidienst. Davon konnte sie nur träumen, als sie vor neun Jahren in einem Revier von Bamiyan anfing. „Damals konnte ich noch nicht einmal einen Haftbefehl lesen“, erinnert sie sich. Karima Hosseini wuchs während des Bürgerkriegs in den 1990er Jahren auf. Funktionierende Grundschulen waren damals selten. Dann folgte das Taliban-Regime und Bildung für Frauen wurde verboten. Mit weitreichenden Folgen: Noch heute gelten rund 60 Prozent der rund 36 Millionen Afghaninnen und Afghanen als Analphabet*innen. 

Unter den Polizeikräften ist der Anteil noch höher, mehr als 80 Prozent von ihnen können nicht oder kaum lesen und schreiben. Viele Menschen ohne Schulbildung wählen in Afghanistan diesen Beruf. Er sichert ein Einkommen, dafür müssen sie ein hohes Risiko in Kauf nehmen: In vielen Regionen des Landes werden Polizist*innen bei Angriffen von Extremisten verletzt oder getötet. 

Kinder- und Frauenrechte auf dem Lehrplan

Doch für mehr Sicherheit und Stabilität ist eine gut ausgebildete Polizei wichtig, die den Bürgerinnen und Bürgern dient und deren Vertrauen genießt. Im Auftrag des Auswärtigen Amts macht die GIZ deshalb Polizistinnen und Polizisten in allen 34 Provinzen Afghanistans fit für ihren Berufsalltag. Rund 40.000 von ihnen haben bereits erfolgreich Bildungskurse beendet. Noch ist der Anteil von Frauen mit zwei Prozent gering. Doch das Potenzial für den gesellschaftlichen Wandel, das von ihnen ausgeht, ist hoch.

Und die Ausbildungsinitiative dauert an: Allein im Jahr 2020 besuchten weitere knapp 35.000 Polizisten und rund 1.450 Polizistinnen – unter Einhaltung von Abstandsregeln – einen von mehr als 3.700 Kursen landesweit. Neben Lese-, Schreib- und Rechenkenntnissen werden auch staatsbürgerliche Themen und der Menschenrechtsansatz, insbesondere Frauen- und Kinderrechte, vermittelt. In der Corona-Pandemie wurden zudem Themen wie Hygiene im Dienst auf den Lehrplan gesetzt und Schutzbekleidung verteilt. Das war mit dem bestehenden Netzwerk schnell möglich, zumal der Unterricht während der Dienststunden direkt am Arbeitsplatz stattfindet. 

Karima Hosseini hat nach ihrem Grundkurs weitergelernt. „Seit ich lesen und schreiben kann, bin ich ein anderer Mensch“, sagt die Afghanin, die gerade für den fortgeschrittenen Abschluss büffelt. Damit bereitet sie nicht nur ihren nächsten Karriereschritt vor, sondern dient auch für ihre Tochter und ihren Sohn als Vorbild. Darauf ist sie stolz.

Jeder Mensch, der lernt, ist ein Fortschritt für unser Land. Alphabetisierte Männer und Frauen werden stärker in ihren Gemeinschaften und ihren Familien.

Porträtfoto: Malaka Ander
Malaka Andereine der ersten weiblichen Ausbilderinnen in der afghanischen Polizei
(© GIZ / Stefan Gieren)
  • Foto: Eine Frau steht vor einem Wellblech-Container mit Fenster. Das Wort „Police“ ist darauf zu erkennen.
    Karima Hosseini, Polizistin in Zentralafghanistan, …
    (© GIZ / Marian Brehmer)
  • Foto: Eine Frau in Uniform zusammen mit Ihrem Sohn und Ihrer Tochter. Die Frau hält Dokumente in der Hand.
    …mit ihren Kindern…
    (© GIZ / Marian Brehmer)
  • Foto: Zwei Frauen in einem Raum bei geöffneter Tür. Eine Frau trägt Uniform und sitzt an einem Holztisch. Vor ihr ein Buch, in das Einträge vorgenommen werden können.
    …und bei der Arbeit.
    (© GIZ / Marian Brehmer)

Ziele für nachhaltige Entwicklung

Die in der Agenda 2030 formulierten Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals – SDGs) bilden den Rahmen für unsere Arbeit weltweit. Klicken Sie auf ein Ziel und erfahren Sie, welche Projekte in diesem Bericht zu seiner Erreichung beitragen.

Mehr zur Agenda 2030

Projekte mit diesem Ziel

Afghanistan: Menschenrechte buchstabieren

Mehr erfahren

Bosnien und Herzegowina: Abenteuerliche Tourismusmagneten

Mehr erfahren

Brasilien und Mosambik: Digital durchstarten

Mehr erfahren

DR Kongo: Ein Rezept für eine bessere Gesundheit

Mehr erfahren

EU-Kommission: Green Recovery

Mehr erfahren

Global: Digitale Zeitenwende

Mehr erfahren

Global: Künstliche Intelligenz für alle

Mehr erfahren

Global: Zentren für den digitalen Wandel

Mehr erfahren

Indonesien: Eis aus Sonne

Mehr erfahren

Kambodscha: Niemanden übersehen

Mehr erfahren

Lateinamerika: Natürlich cool

Mehr erfahren

Libanon: Bildungschancen für alle

Mehr erfahren

Marokko: Kurs in Richtung Zukunftstechnologie

Mehr erfahren

Moldau: Neue Schnitte, neue Chancen

Mehr erfahren

Ostafrika: Infektionen bekämpfen

Mehr erfahren

Sierra Leone: Radioprogramm gegen die Krise

Mehr erfahren

Südafrika: Grün investieren

Mehr erfahren

Westafrika: Infektionsschutz made in Nigeria

Mehr erfahren