Integrierter Unternehmensbericht 2016
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LÖSUNGEN FÜR WENIGER EMISSIONEN

WELTWEIT WIRD DARAN GEARBEITET, DEN CO2-AUSSTOSS ZU BEGRENZEN. DIE IDEEN BETREFFEN – UND VERBESSERN HÄUFIG – DIE UNTERSCHIEDLICHSTEN LEBENSBEREICHE UND NATÜRLICH DIE UMWELT: VOM SCHUTZ DES REGENWALDES ÜBER GRÜNE ENERGIEN UND ELEKTROMOBILITÄT BIS HIN ZUM KLIMASCHONENDEN WOHNEN.

ERNEUERBARE ENERGIEN IN GRIECHENLAND

Mit „grüner Energie“ will sich Griechenland zunehmend versorgen und damit auch zu den europäischen Energie- und Klimazielen beitragen. Bis 2020 soll der Anteil der erneuerbaren Energien am nationalen Stromverbrauch auf 40 Prozent erhöht werden. Die entsprechenden Investitionen in Solaranlagen und Windräder könnten zudem rund 28.000 neue Arbeitsplätze schaffen.

Den Weg dorthin hat die GIZ mit vorbereitet, vor allem durch ihre Beratung bei der Erstellung eines neuen Fördergesetzes, das im August 2016 verabschiedet wurde. Im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) sowie der EU begleitet die GIZ die griechische Regierung nun bei der Umsetzung ihrer zuvor formulierten Ausbauziele.

Die GIZ-Experten beraten ihre griechischen Partner bei der Verbesserung von Rahmenbedingungen und bestehenden Verfahren, zum Beispiel im Bereich der Genehmigung und Netzintegration von erneuerbaren Energien. Dazu fließen auch die Erfahrungen anderer EU-Mitgliedstaaten mit ein, etwa bei der Einführung von öffentlichen Ausschreibungen oder bei der Integration von erneuerbaren Energien in den Strommarkt. Damit wird das griechische Fördersystem fit für die Zukunft gemacht und eine stabile Grundlage für neue Investitionen in „grüne Energie“ geschaffen.

KLIMASCHONEND WOHNEN IN MEXIKO

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Um seine Emissionen zu verringern, konzentriert sich Mexiko auf energieeffiziente Konzepte im boomenden sozialen Wohnungsbau. Denn Wohngebäude sind hier für fast ein Drittel der Treibhausgase und fast ein Fünftel des gesamten Energieverbrauchs verantwortlich. Unter anderem mit Wärmedämmung, effizienten Fenstern, Solar-Warmwasserkollektoren und der Ausstattung mit energiesparenden Haushaltsgeräten steuert Mexiko nun dagegen an.

Diese freiwillige landesweite Maßnahme zur Reduktion von Treibhausgasen – als eine der sogenannten Nationally Appropriate Mitigation Actions (NAMAs) – ist weltweit die erste, die sich auf den Wohnungsbau konzentriert. Sie wird vom Bundesumweltministerium und dem britischen Ministerium für Wirtschaft, Energie und Industrie-Strategie im Rahmen der NAMA-Fazilität finanziert. Dahinter steckt ein Programm, das weltweit die Umsetzung entwickelter NAMAs fördert.

Während die GIZ mit der mexikanischen Nationalen Wohnungsbaukommission und privaten Investoren energiesparende und klimaschonende Konzepte für den sozialen Wohnungsbau entwickelt, werden von der KfW in Kooperation mit der mexikanischen Wohnungsbauentwicklungsbank finanzielle Anreize für deren Anwendung gesetzt. Gemeinsam organisieren die Partner landesweite Infokampagnen, um die Nachfrage nach klimafreundlichen Wohnungen und Häusern zu steigern, und schulen private Wohnungsbauentwickler bei der Anwendung der neuen Energieeffizienztechnologien.

Das Konzept geht auf: Seit Beginn des Programms im Jahr 2013 informierten sich landesweit rund 54.000 Haushalte über klimaschonendes Bauen und Wohnen. Und es wurde der Bau von über 41.000 energieeffizienten Wohnungen finanziert, die zusammen über einen Zeitraum von 40 Jahren knapp 930.000 Tonnen Kohlendioxid vermeiden werden.

MOBILITÄT NEU DENKEN IN CHINA

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Soziale und ökonomische Entwicklung braucht Mobilität: Sie ermöglicht Menschen den Zugang zu Märkten, zu Bildung und Gesundheit. In China etwa fahren 120 Millionen Privatfahrzeuge auf den Straßen, täglich kommen 35.000 Neuzulassungen hinzu – und ein Ende des Autobooms ist nicht in Sicht.

Damit die steigende Motorisierung aber nicht automatisch zu mehr CO2-Emissionen und gesundheitsgefährdendem Smog führt, braucht China neue Verkehrs- und Mobilitätskonzepte, um dem Verkehrskollaps zu entgehen.

Alternative Kraftstoffe, Elektromobilität und neue Dienste wie Carsharing sollen zu Chinas Klimaschutzzielen beitragen und Schlüsselindustrien modernisieren. Im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur organisiert die GIZ dazu einen deutsch-chinesischen Dialog, der Chancen für Umweltstandards, neue Technologien und Lösungsansätze im Verkehr eröffnet.

Vorbild ist die deutsche, international anerkannte Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie, die Entwicklungsmöglichkeiten für unterschiedliche Verkehrsmittel bis 2050 aufzeigt. Die chinesische Regierung greift nun Teile davon auf und setzt sie testweise in den Städten Peking und Tianjin sowie der Provinz Hebei um. Mit Kurzstudien, etwa zu städtischen Mobilitätskonzepten, Regionalverkehr oder alternativen Antrieben im Schwerlastverkehr, liefern GIZ-Experten hierfür die Grundlagen.

BANGLADESCH: NACHHALTIGER WERKSTOFF IM AUTOBAU

Wie und mit welchen Materialien Autos gebaut werden, hat Auswirkungen auf das Klima. Neben alternativen Kraftstoffen, mehr Elektromobilität und neuen Verkehrskonzepten wird daher weltweit auch an alternativen Werkstoffen gearbeitet.

Mit den Fasern des Malvengewächses Kenaf hat die BMW Group nun erstmals einen nachhaltigen Naturwerkstoff im Innenraum sichtbar zur Serienreife gebracht.

Kenaf wird im Innenausbau des Elektroautos BMW i3 eingesetzt. Das nachhaltige Material ist leichter als Kunststoff, und wenn es bricht, entstehen keine scharfen Kanten. Um den nachhaltigen Anbau von Kenaf zu sichern, sind die BMW Group und ihr Zulieferer DRÄXLMAIER mit GIZ International Services eine Partnerschaft in Bangladesch eingegangen.

Das gemeinsame Projekt soll die Bauern befähigen, hochwertiges Kenaf nach internationalen Nachhaltigkeitsstandards zu produzieren und damit gleichzeitig ihr Einkommen zu sichern. Dazu schulte die GIZ rund 1.000 Kleinbauern. Themen waren unter anderem der richtige Umgang mit Saatgut, Trocknung und Lagerung der Fasern sowie Arbeitssicherheit oder die Rückverfolgbarkeit aller Produktionsschritte. Kooperationspartnerin ist die internationale Umweltschutzorganisation Rainforest Alliance.

PALMÖL: OHNE ABHOLZUNG DES REGENWALDS IN UNSERE SUPERMÄRKTE

Auch in der Lebensmittelindustrie ist die verantwortungsvolle Rohstoffgewinnung aus nachhaltiger Landwirtschaft das Zukunftsthema, um den CO2-Ausstoß zu begrenzen. Beispiel Palmöl: Man findet es in fast der Hälfte aller Produkte aus dem Supermarkt – in Tütensuppen, Eiscreme, Kerzen und Lippenstiften. Um diese große Nachfrage zu befriedigen, werden weite Flächen des Regenwalds brandgerodet und dabei große Mengen an Kohlendioxid freigesetzt.

Das „Forum Nachhaltiges Palmöl“ engagiert sich deshalb für nachhaltige Rohstoffgewinnung und die Nutzung von 100 Prozent zertifiziertem Palmöl.

Das Zertifikat weist nach, dass die Standards für nachhaltig produziertes Palmöl eingehalten wurden, zum Beispiel, dass für neue Plantagen kein schützenswerter Wald weichen musste. Im Forum haben sich 44 Wirtschafts- und Handelsunternehmen, Verbände und Nichtregierungsorganisationen zusammengeschlossen. Auch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) gehört dazu, in dessen Auftrag die GIZ das Sekretariat des Forums leitet.

Ein Punkt steht ganz oben auf der Agenda: Die internationale Zertifizierung soll transparenter werden und mit dafür sorgen, dass Palmöl aus Brandrodungen nicht mehr in die Lieferketten gelangt. Die Mitglieder des Forums gehen mit gutem Beispiel voran: Sie nutzen bereits seit Ende 2014 ausschließlich zertifiziertes Palmöl in ihren Produkten. Auf dem deutschen Markt ist der Anteil von zertifiziertem Palmöl seither deutlich gestiegen.