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Just Transition: ein gerechter Weg in die Zukunft

Der Weg in die Klima­neutralität stellt viele Regionen weltweit vor große Heraus­forderungen. Die GIZ arbeitet daran, den Wandel sozial gerecht zu gestalten.

Was ist Just Transition?

Unsere Welt muss klima­neutral werden. Das erreichen wir nur, wenn wir unsere Lebens­weise grund­legend ver­ändern und auf Nach­haltigkeit aus­richten. Die Kosten und der Nutzen dieses Struktur­wandels müssen dabei gerecht ver­teilt werden. So ein gerechter Über­gang – eine Just Transition – hat das Ziel, die Lebens­bedingungen der Menschen spür­bar zu ver­bessern und gleich­zeitig die Treibhaus­gas­emissionen drastisch zu senken. Damit dies sozial gerecht gelingt, ist es wichtig, dass besonders be­troffene Gruppen von ihren Potenzialen profi­tieren und sich an Ent­scheidungs­prozessen be­teiligen können.

Der süd­afrikanischen Provinz Mpumalanga stehen in den nächsten Jahr­zehnten große Ver­änderungen bevor. 80 Prozent aller süd­afrikanischen Kohle wird hier gefördert – die Region ist von diesem Wirtschafts­zweig abhängig. Doch die Reserven sind endlich, außer­dem will das Land bis 2050 klima­neutral sein. Das heißt: Schluss mit dem fossilen Brenn­stoff. Für Mpumalanga bedeutet das mehr als den Verlust der 100.000 direkten Arbeits­plätze: Indirekt sind über eine Million Menschen von der Kohle­industrie abhängig. Diesen Struktur­wandel gilt es früh­zeitig zu gestalten.

Um den Menschen in Mpumalanga eine Perspektive zu geben, arbeitet die GIZ beispiels­weise im Auftrag des Bundes­ministeriums für Wirt­schaft und Klima­schutz (BMWK) daran, eine Just Transition – einen gerechten Struktur­wandel – zu ermöglichen. Das Ziel: grüne Wert­schöpfung und Jobs schaffen. Im Mittel­punkt steht dabei die Frage, welche Arbeiten die Kohle­arbeiter*innen und die Menschen in der Region in Zukunft aus­üben können. Lkw-Fahrer*innen, die die Kohle trans­portieren, Menschen, die um die Kohle­kraft­werke herum ihre Waren ver­kaufen, Köch*innen, Land­wirt*innen sowie Lehrerinnen und Lehrer – sie alle sind bis­lang davon ab­hängig, dass die Kohle Menschen und Geld in die Region spült.

Grüne Jobs für eine grüne Wirtschaft

Davon aus­gehend organisiert die GIZ Um­schulungen und sucht gemein­sam mit Partner­organisationen nach Investor*innen, die neue, zukunfts­fähige Industrie­zweige auf­bauen – zum Beispiel in der Land­wirt­schaft, im Öko­tourismus oder im Bereich der erneuer­baren Energien. Außer­dem unter­stützt die GIZ kleine Unter­nehmen und Start-ups dabei, nach­haltige Geschäfts­modelle auf­zu­bauen.

„Wir stehen vor einer Heraus­forderung massiven Aus­maßes. Nicht einmal die Grund­bedürf­nisse vieler Menschen in Mpumalanga sind gesichert, darum müssen wir schnell Ergeb­nisse erzielen. Gemein­sam mit neuen und be­stehen­den Unter­nehmen nach­haltige Jobs zu kreieren, ist deshalb ein essenzieller Teil unserer Arbeit“, erklärt Mike Mulcahy. Er leitet die Organi­sation GreenCape. Sie ist eine von sechs süd­afrikanischen Organi­sationen, mit denen die GIZ das Projekt gemeinsam umsetzt.

Foto: Vier Personen stehen um ein Solarpaneel, das von einer Lampe angestrahlt wird.
© GIZ / photothek

Im Video erklärt unsere Expertin Birgit Seibel den ganzheitlichen Ansatz der GIZ zum Thema Just Transition.

Porträtfoto: Birgit Seibel.

»Der Struktur­wandel der Kohle­regionen hat öko­nomische, soziale und ökologische Aus­wirkungen. Als GIZ sind wir fachlich so breit auf­gestellt, dass wir unsere Partner ganz­heitlich beraten können.«

Birgit Seibel,
Expertin für Just Transition in der GIZ
© Birgit Seibel

Ganzheitlicher Ansatz in Südafrika

In Mpumalanga kann die GIZ auf ihrer lang­jährigen Arbeit zu Themen aufbauen, die eng mit dem gerechten Struktur­wandel zusammen­hängen, wie erneuer­bare Energie, soziale Sicherung und beruf­liche Bildung. Im Auftrag des Bundes­entwicklungs­ministeriums (BMZ) unter­stützt die GIZ eine gerechte Trans­formation intensiv über den süd­afrikanischen Energie­sektor: Mehr Solar­anlagen und eine effizientere Energie­nutzung tragen dazu bei, dass bereits über 80.000 Tonnen CO2-Äqui­valente ein­gespart werden konnten und Beschäftigungs­chancen entstehen können. Da eine grünere Wirt­schaft auch grüne Jobs benötigt, unter­stützt die GIZ Südafrika dabei, junge Menschen in den ent­sprechenden Berufen zu schulen. Erst das Zusammen­spiel dieser unter­schied­lichen Bereiche macht eine gerechte Trans­formation möglich. Dieses Ziel verfolgt auch die Partner­schaft zur sozial gerechten Energie­wende, die Just Energy Transition Partnership, die 2021 zwischen Süd­afrika und Deutsch­land, Frankreich, Groß­britannien, den USA und der EU beschlossen wurde.

Auch in anderen Welt­regionen bringen wir dieses Wissen für unter­schied­liche Auftrag­geber ein. So unter­stützt die GIZ beispiels­weise Indonesien im Auftrag des BMWK dabei, einen gerechten Struktur­wandel um­zusetzen. Welche Schwer­punkte wir dabei gemein­sam mit unseren Partnern setzen, berichtet Nithi Nesadurai von unserer Partner­organisation CANSEA im Interview.

Porträtfoto: Nithi Nesadurai.
© Nithi Nesadurai

»Klimagerechtigkeit im Zentrum«

Interview mit Nithi Nesadurai, Direktor des Climate Action Network Southeast Asia (CANSEA)

Warum arbeiten das Climate Action Network CANSEA und die GIZ gemeinsam mit Indonesien an einer Just Transition?

Indonesien ist einer der größten Kohle­exporteure der Welt, auch inner­halb des Landes ist Kohle der wichtigste Energie­träger. Viele Menschen sind von der Kohle­industrie abhängig. Die Regierung strebt aber eine kohlen­stoffarme Wirt­schaft an, bis 2040 will sie ganz aus der Kohle aussteigen. Damit dieser Struktur­wandel gelingt, braucht es einen sozial­verträg­lichen Plan.

»Es ist besonders wichtig, dass wir die Stimmen derjenigen hören, die am Rand der Gesellschaft stehen.«

Nithi Nesadurai, Direktor des
Climate Action Network Southeast
Asia (CANSEA)

Wie kann dieser Wandel gelingen, ohne dass die Menschen in den Kohle­regionen ab­gehängt werden? Und wie können Sie mit CANSEA dazu beitragen?

Das Thema der Klima­gerechtigkeit steht im Zentrum unserer Arbeit. Alle sollen gleicher­maßen von den Chancen profitieren. Wir wollen gemeinsam mit den betroffenen Menschen eine Vision entwickeln, wie gute, nachhaltige Jobs für sie aussehen können. Und auch, wie sie durch eine gerechte Arbeits- und Sozial­politik abgesichert werden können. Dabei ist es besonders wichtig, dass wir die Stimmen derjenigen hören, die am Rand der Gesell­schaft stehen.

Und wie sehen Sie die Rolle der GIZ?

Um Zugang zu den betroffenen Gruppen zu bekommen, müssen wir mit zivil­gesellschaft­lichen Organisationen zusammen­arbeiten, die mit diesen Gruppen bereits vertrauens­voll im Austausch stehen. Darüber hinaus sind noch viele weitere Akteur*innen involviert, wie Ver­treterinnen und Ver­treter von Regierung und Lokal­verwaltungen, der Industrie sowie der Wissen­schaft. Die Rolle der GIZ sehe ich deshalb wie die einer Dirigentin, die alle Beteiligten zusammen­bringt. Das hat die GIZ schon im Vorfeld getan, und das erwarten und erhoffen wir uns auch für die konkrete Um­setzung der Maß­nahmen in den nächsten Jahren.