Integrierter Unternehmensbericht 2017
Menü

WIE KANN EIN LAND NACH JAHRZEHNTEN DER GEWALT ZU INNEREM FRIEDEN FINDEN? WIE KANN EIN STARK GESCHWÄCHTER STAAT VERTRAUEN UND RECHTSSTAATLICHE STABILITÄT AUFBAUEN? OHNE EHRLICHE AUFARBEITUNG DER VERGANGENHEIT, INTENSIVE VERSÖHNUNGSARBEIT UND DAS EINÜBEN EINES GEWALTFREIEN UMGANGS MIT KONFLIKTEN IST DAS NICHT MÖGLICH. BEI DIESEM PROZESS BEGLEITEN WIR UNSERE PARTNER UND UNTERSTÜTZEN SIE LANGFRISTIG, DIE URSACHEN VON KONFLIKTEN, GEWALT UND FRAGILER STAATLICHKEIT ZU ÜBERWINDEN.

GUATEMALA: KULTUR DER ALLTÄGLICHEN GEWALT ÜBERWINDEN

Ein „Pakt für Sicherheit, Justiz und Frieden“ – damit will die Regierung Guatemalas gemeinsam mit der Zivilgesellschaft und Interessenverbänden ein Umdenken in der Gesellschaft bewirken. Denn das Land hat auch 20 Jahre nach Ende des Bürgerkriegs noch eine der höchsten Gewalt- und Mordraten weltweit. Opfer sind besonders Frauen, Minderheiten und die indigene Bevölkerung. Durch allgegenwärtige Korruption fehlt es den Menschen an Vertrauen in den Staat.

TABUTHEMA „GEWALT GEGEN FRAUEN“ AUF DER AGENDA

Im Auftrag des BMZ unterstützen GIZ-Fachkräfte den Pakt. Dazu werden in einer inzwischen landesweit nachgefragten Fortbildung Teilnehmende aus Polizei, öffentlichem Dienst, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zu Techniken der Deeskalation und systematischen Ansätzen der Gewaltprävention geschult. Dank Kampagnen wie „Briefe von Frauen“, durch die Betroffene ihr Schweigen gebrochen und anonym über ihre Gewalterfahrungen in Familien und im öffentlichen Raum berichtet haben, ist auch das Tabuthema Gewalt gegen Frauen mittlerweile zu einem politischen Thema geworden.

EINE REISE RICHTUNG TRANSPARENZ

Um mehr Vertrauen in den Staat aufzubauen, wurde zudem ein Transparenzpakt zwischen Regierung und Transparency International Guatemala geschlossen. Die Folge: Erste Gemeindeverwaltungen haben nun Transparenzportale für die Bevölkerung eingerichtet. Ende 2017 wurde in diesem Rahmen die „Korruptionstour: Eine Reise Richtung Transparenz“ vorgestellt. Sie schildert der Öffentlichkeit schwere Korruptionsfälle – vor den Zentralen betroffener Institutionen in Guatemala-Stadt. Auch die Privatunternehmen zeigen immer mehr Offenheit für Transparenz und Korruptionsvorbeugung.

KAMBODSCHA: DAS TRAUMA DER ROTEN KHMER AUFARBEITEN

Kambodscha ist ein traumatisiertes Land: Rund 1,7 Millionen Menschen, fast ein Viertel der Bevölkerung, haben die Roten Khmer von 1975 bis 1979 ermordet. Bis heute hat die kambodschanische Gesellschaft diese Schreckenszeit und den jahrzehntelangen Bürgerkrieg nicht aufgearbeitet.

Gefördert vom BMZ unterstützen daher Fachkräfte des Zivilen Friedensdienstes zivilgesellschaftliche und staatliche Partner dabei, eine gemeinsame Erinnerungs- und Versöhnungskultur zu fördern. So wird über das Rote-Khmer-Tribunal gegen ehemalige Kriegsverbrecher informiert; Gedenkkomitees an Orten des Verbrechens wie auch Gesprächsveranstaltungen zwischen Jugendlichen und Überlebenden richten sich gegen das Vergessen; Wiedergutmachungsmaßnahmen helfen, seelische Wunden zu heilen, und tragen zum sozialen Wiederaufbau bei.

DIE GESAMTE FAMILIE IN DEN BLICK NEHMEN

Zur nachhaltigen Friedensarbeit werden außerdem lokale Fachkräfte in systemischer Familientherapie ausgebildet – 2017 haben die ersten Praktikerinnen und Praktiker in der Trauma-Arbeit ihre Fortbildung erfolgreich abgeschlossen. In der sehr kollektivistisch geprägten Gesellschaft sollen sie in der Praxis nicht nur das Individuum, sondern die gesamte Familie in den Blick nehmen.