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So kompensiert die GIZ ihre Treibhausgas-Emissionen

Welche Emissionsquellen werden erfasst?

Bei der Erfassung unserer betrieblichen THG-Emissionen folgen wir den Richtlinien des Greenhouse Gas Protocol (GHG Protocol) als weltweit anerkanntem Standard der Klimabilanzierung für Unternehmen. Demnach gilt es, die wesentlichen Treibhausgase systematisch zu erfassen, welche im Kyoto-Protokoll gelistet sind (CO2, CH4, N2O, HFKW, FKW, SF6, NF3). Um deren Auswirkungen auf das Klima vergleichen zu können, werden sogenannte CO2-Äquivalente (CO2e) bestimmt. Beispielsweise erwärmt Methan (CH4) die Erdatmosphäre über einen Zeitraum von 100 Jahren etwa 28-mal so stark wie Kohlenstoffdioxid (CO2). Daher entspricht die Emission einer Tonne CH4 umgerechnet 28t CO2e.

Wie funktioniert die Kompensation?

Der Grundgedanke der Kompensation ist einfach: THG-Emissionen, die an einer Stelle im globalen (Wirtschafts-)System entstehen, können über Klimaschutzprojekte – welche THG-Emissionen nachweislich reduzieren – an anderer Stelle ausgeglichen werden. Für die Erderwärmung spielt es dabei keine Rolle, an welchem Ort ein Treibhausgas in die Atmosphäre gelangt. Relevant sind hierfür lediglich die Menge und die äquivalente Klimawirkung.

Projektbeispiel

Ein Klimaschutzprojekt unterstützt Haushalte in der Beschaffung von energieeffizienten Kochöfen – die sie sich andernfalls nicht leisten könnten – und reduziert somit den Bedarf für Feuerholz sowie die damit verbundenen THG-Emissionen. Diese Klimawirkung wird berechnet, unabhängig geprüft und als Kompensationsleistung zertifiziert. Darüber hinaus können solche Projekte die nachhaltige Entwicklung in der Region stärken. Beispielsweise trägt die geringere Rauchentwicklung effizienterer und damit klimafreundlicherer Öfen zum Schutz der Gesundheit bei.

Was wird kompensiert?

Wir kompensieren seit 2013 unsere Emissionen aus dem Inland, seit 2020 zusätzlich auch unsere Emissionen aus dem Ausland. Genauere Informationen zu den Emissionen der GIZ finden sich in der Klima- und Umweltbilanz .

Welche Qualitätsstandards legen wir an die Projekte an?

Die Qualität und Effektivität von Kompensationsprojekten werden teilweise kritisch gesehen. Dem Klimaschutz dienen sie nur, wenn die THG-Reduktion ohne das Projekt nicht stattgefunden hätte (Zusätzlichkeit). Außerdem dürfen sie nicht zu negativen Auswirkungen auf Menschen und Natur führen, sondern sie sollten im Gegenteil positive Co-Benefits bieten. Deswegen haben wir uns für den Kauf von Klimazertifikaten hohe Qualitätsstandards gesetzt. Wir orientieren uns dabei an den Ausschreibungskriterien der Bundesregierung bei der Kompensation ihrer Dienstreisen1. Demnach erwerben wir ausschließlich Zertifikate (Certified Emissions Reductions, CERs) aus Klimaschutzprojekten des Clean Development Mechanism (CDM), der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) bzw. dessen Folgemechanismus. Ein CER entspricht einer Tonne CO2e.

Um als CDM-Projekt registriert zu werden, müssen – über die Zusätzlichkeit hinaus – anspruchsvolle Kriterien erfüllt und von unabhängigen Gutachter*innen geprüft werden. Zum einen können Gutschriften nur für Emissionsminderungen ausgestellt werden, die bereits sicher eingetreten sind. Zum anderen muss nachgewiesen werden, dass es durch das Projekt nicht an anderer Stelle zu Emissionen kommt. Nach dem Erwerb der CERs werden diese unter Aufsicht des UNFCCC für jeden einsehbar stillgelegt, so dass etwaige Doppelzählungen ausgeschlossen sind. Neben dem Klimaschutz besteht das Ziel des CDM darin, Entwicklungs- und Schwellenländer in ihrer nachhaltigen Entwicklung zu unterstützen. Aus diesem Grund legt die CDM-Zertifizierung auch hohe Standards an die lokale Beteiligung und entwicklungspolitische Wirkung der Projekte an.

Des Weiteren unterstützen wir nach Möglichkeit Projekte aus den am wenigsten entwickelten Ländern (Least Developed Countries, LDC) sowie gebündelte Kleinstprojekte (Programme of Activities, PoA), die aufgrund ihrer Kostenstruktur gegenüber größeren Projekten wirtschaftlich benachteiligt sind. Gerade diese Kleinstprojekte weisen jedoch oft die höchsten Co-Benefits auf. Dazu zählen z. B. die Stärkung regionaler Arbeitsmärkte, der Schutz der Gesundheit oder der Erhalt von Biodiversität und natürlichen Lebensräumen. Darüber hinaus beschaffen wir seit dem Bilanzjahr 2019 nur noch Zertifikate, die nach den Kriterien der Gold Standard Foundation verifiziert wurden und somit nachweislich einen besonderen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung leisten.

Nicht zuletzt gelten bei der Ausschreibung für die Projekte einige Ausschlusskriterien. Unter anderem unterstützen wir keine sogenannten Beleuchtungsprogramme, bei denen die Lampen Quecksilber enthalten, Projekte zur Biogasnutzung aus Palmölmühlen sowie Projekte zur biologischen oder geologischen CO2-Sequestrierung.

Welche Klimaschutzprojekte wurden ausgewählt?

Im Folgenden werden einige Projekte aus den jüngsten Ausschreibungsrunden genauer beschrieben.

Projektsstandorte der Kompensation

Abbildung 1: Projektstandorte der Kompensation für die Bilanzjahre 2017 bis 2020
  1. Nigeria
  2. Ruanda
  3. Malawi & Mosambik
  4. Sambia
  5. Nepal
  6. China

Sauberes und bezahlbares Haushaltsbiogas

Foto: Eine Frau läuft einen Weg entlang mit gesammeltem Feuerholz

In den ländlichen Regionen Nepals und der chinesischen Provinz Sichuan kommen in der Regel Kohle oder Feuerholz als Energiequellen zum Einsatz. Für die einkommensschwachen Haushalte sind damit jedoch erhebliche gesundheitliche, wirtschaftliche und soziale Belastungen verbunden. Im Durschschnitt verwenden sie circa 15 Prozent ihrer Einkommen für den Ankauf von Kohle. Als günstige Alternative wird Feuerholz unter hohem Zeitaufwand gesammelt – meist von Frauen und Kindern – wodurch die Abholzungsrate in der Region steigt. Darüber hinaus ist der Verbrennungsprozess mit traditionellen Drei-Steine-Feuern und veralteten Herden äußerst rauchintensiv und gesundheitsschädlich. Die dabei freigesetzten Rußpartikel und Kohlenmonoxidgase greifen die Augen und Atemwege der Betroffenen an.

Foto: Eine Frau präsentiert ihren Biogasfermenter

Ohnehin leiden die Menschen unter den Folgen des Klimawandels, wie z. B. schwerwiegenden Erdrutschen, Überschwemmungen und Bodenerosion, welche durch die Abholzung der schützenden Wälder weiter begünstigt werden. Um die Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern und gleichzeitig zum Klimaschutz beizutragen, versorgen die Projekte einkommensschwache ländliche Haushalte mit zuverlässigen und effizienten Biogasfermentern und -herden. Die Fermenter werden mit tierischen Fäkalien befüllt – die zuvor meist in offenen Güllegruben verrotteten – und wandeln diese in sauberes und erschwingliches Biogas um. Dies kann nun bequem zum Kochen, Heizen oder Beleuchten verwendet werden. Die Familien reduzieren somit ihre Ausgaben für den Ankauf von Kohle und sind nicht mehr dem schädlichen Rauch ausgesetzt. Verbrennungsrisiken werden gesenkt.

Insbesondere Frauen und Kindern kommen erhebliche Zeitersparnisse zugute, Zeit, die sie zuvor für das Sammeln von Feuerholz aufwenden mussten. Durch die Umstellung spart jede teilnehmende Familie Jahr für Jahr durchschnittlich 2 bis 3 Tonnen CO2e und mehrere Tonnen Feuerholz ein. Damit leisten die Familien außerdem einen Beitrag zum Schutz vor Bodenerosion und zum Erhalt der Biodiversität. Nach der Fermentierung in der Anlage können die fruchtbaren Schlämme als natürliche Düngemittel verwendet werden und damit die landwirtschaftlichen Erträge kostengünstig steigern. Weiterhin gibt es die Möglichkeit, eine Toilette anzuschließen und so die Hygienesituation zu verbessern. Durch den Bau und die Wartung der Anlagen entstehen viele lokale Arbeitsplätze.

Projektübersicht – Haushaltsbiogas

LandNepal
ProjektnameNepal Biogas Support Program-PoA
ProjektnummerCDM PoA 9572
Projektbetreiberatmosfair gGmbH
BesonderheitenPoA, Gold Standard, LDC
Stillgelegte CERs (GIZ)         35.000 (2019–2020)
  
LandChina, Provinz Sichuan
ProjektnameSichuan Rural Poor-Household Biogas Development Programme
ProjektnummerCDM PoA 2898
ProjektbetreiberUPM Umwelt-Projekt-Management GmbH
BesonderheitenPoA, Gold Standard
Stillgelegte CERs (GIZ)13.308 (2017–2018), 32.500 (2019–2020)

Die positiven Auswirkungen auf die SDGs 3, 7 und 13 durch das Prjojekt in Nepal sind im Rahmen des Gold Standard for the Global Goals (GS4GG) verifiziert.

Die positiven Auswirkungen auf die SDGs 3, 6, 7, 8 und 13 durch das Projekt in Sichuan (China) sind im Rahmen des Gold Standard for the Global Goals (GS4GG) verifiziert.

Effiziente Öfen reduzieren Abholzung und Energieausgaben

Foto: An einem Straßenrand in Afrika liegen Haufen von Feuerholz

In den Projektländern auf dem afrikanischen Kontinent (Malawi, Mosambik, Nigeria, Ruanda und Sambia) nutzen die Menschen in den ländlichen Regionen meist Feuerholz als Energiequelle zum Kochen. Die üblichen Drei-Steine-Feuer verbrennen das Holz jedoch nur sehr ineffizient. Entsprechend hoch sind der Bedarf – eine Familie mit 7 Personen benötigt etwa 5 Tonnen Holz pro Jahr – und die damit verbundene Abholzungsrate der verbliebenen Wälder. Weiterhin entstehen erhebliche wirtschaftliche Belastungen durch diese Form der Energieversorgung, denn einkommensschwache Haushalte müssen bis zu 30 Prozent ihres Einkommens für den Ankauf von Feuerholz aufwenden. Gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen produzieren und verkaufen die Projektbetreiber effiziente Öfen, wie z. B. den Safe80.

Foto: 2 Frauen stehen nebeneinander vor einem effizienten Ofen

Diese verringern den Holzbedarf beim Kochen um bis zu 80 Prozent. Durch die enormen Einsparungen rechnet sich der Kauf schon nach wenigen Monaten. Darüber hinaus liegen die sozialen Vorteile der Öfen für Gesundheit und Gleichstellung auf der Hand. Sie verbrennen das Holz sauberer, was zu einer Verbesserung der Luftqualität führt und das Risiko von Lungen-, Atemwegs- und Augenerkrankungen mindert. Dies entlastet vor allem Frauen und Kinder, die beim Kochen über offenem Feuer dem gesundheitsschädlichen Rauch ausgesetzt sind. Die Akzeptanz ist bei den Familien sehr hoch. Zum einen sparen die Öfen viel Zeit – im Durchschnitt sinkt die Kochzeit von ca. 4 auf 2,5 Stunden pro Tag – und zum anderen lassen sie sich gut in die traditionellen Kochgewohnheiten integrieren. Anders als Solarkocher funktionieren sie Tag und Nacht.

Foto: Eine Frau stellt aus hochwertigem Edelstahl einen Ofen her

In Nigeria und Ruanda werden z. B. Safe80-Öfen aus hochwertigem Edelstahl hergestellt, die zu Marktpreisen etwa 90 Euro kosten würden – unbezahlbar für die meisten Haushalte. Daher werden sie für die Endkunden stark bezuschusst (auf einen Preis von circa 18 Euro) und es besteht die Möglichkeit einer Ratenzahlung. Die Einnahmen aus dem Verkauf kommen ausschließlich den Partnerorganisationen zugute. Bisher werden die vorgefertigten Materialien aus Deutschland exportiert und die Endfertigung sowie der Vertrieb erfolgen vor Ort. In naher Zukunft soll nun auch die gesamte Produktion in die Partnerländer verlagert werden, um die lokale Wertschöpfung weiter zu stärken. Diese Vorgehensweise schafft attraktive Arbeitsplätze (davon mindestens die Hälfte für Frauen) und begünstigt darüber hinaus den Wissens- und Technologietransfer.

Projektübersicht – Effiziente Öfen

LandMalawi
ProjektnameImproved Cookstoves Program for Malawi and cross-border regions of Mozambique
ProjektnummerCDM PoA 9558
ProjektbetreiberC-Quest Capital Malaysia Global Stoves Limited
BesonderheitenPoA, LDC
Stillgelegte CERs (GIZ)         320.000 (2017–2018)
  
LandSambia
ProjektnameImproved Cookstoves Program for Zambia
ProjektnummerCDM PoA 8060
ProjektbetreiberC-Quest Capital Malaysia Global Stoves Limited
BesonderheitenPoA, LDC
Stillgelegte CERs (GIZ)20.000 (2017–2018)
  
LandNigeria
ProjektnameImproved Cook Stoves programme for Nigeria
ProjektnummerCDM PoA 5067
Projektbetreiberatmosfair gGmbH
BesonderheitenPoA, Gold Standard
Stillgelegte CERs (GIZ)22.704 (2019–2020)
  
LandRuanda
ProjektnameImproved Cook Stoves programme for Rwanda
Projektnummeratmosfair gGmbH
ProjektbetreiberCDM PoA 6207
BesonderheitenPoA, Gold Standard
Stillgelegte CERs (GIZ)7.500 (2019–2020)

Die positiven Auswirkungen auf die SDGs 5, 7, 8 und 13 durch das Projekt in Ruanda sind im Rahmen des Gold Standard for the Global Goals (GS4GG) verifiziert.

Die positiven Auswirkungen auf die SDGs 3, 13 und 15 durch das Projekt in Nigeria sind im Rahmen des Gold Standard for the Global Goals (GS4GG) verifiziert.

Auf dieser Seite finden sich Informationen zu folgenden Sustainable Development Goals (SDGs):

Grafik: GIZ: SDG 3 Gesundheit und Wohlergehen
Grafik: GIZ: SDG 5 Geschlechtergleichheit
Grafik: GIZ: SDG 6 Sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen
Grafik: GIZ: SDG 7 Bezahlbare und saubere Energie
Grafik: GIZ: SDG 8 Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum
Grafik: GIZ: SDG 13 Maßnahmen zum Klimaschutz
Grafik: GIZ: SDG 15 Leben an Land

Auf dieser Seite finden sich Informationen zu folgenden Nachhaltigkeitsstandards:
GRI-Standard 305